madeleine renz-menth – in memoriam

1. April 1941 – 30. Januar 2009

Der folgende Text wurde an der Trauerfeier am 6. Februar 2009 gelesen:

An diesem traurigen Tag wollen wir trotz aller Fassungslosigkeit auf das Leben einer Frau zurückblicken, welche vielen von uns nahe gestanden und die durch ihr Wirken unser Leben bereichert hat. Wer war sie die Madeleine Renz, die wir in nächster Zukunft so sehr vermissen werden?

Als drittes von fünf Kinder des Ehepaares Emil und Emma Menth kam sie auf einem Bauernhof in Solothurn zur Welt. Sie war also eine Bauerntochter und das ist sie bis zu ihrem Tode eigentlich auch geblieben. Bäuerliche Lebensart, bäuerliche Kultur und Traditionen prägten ihr Leben. Im Jahre 1948 brannte der Hof in der Solothurner Weststadt nieder und die Familie verlor ihre Existenz. Man kann nur erahnen, was dieses Ereignis für das siebenjährige Kind bedeutet haben muss. Die Menths fanden eine neue Heimat in Welschenrohr auf dem weit ausserhalb des Dorfes gelegenen Malsenhof. Das bedeutete für die Menthkinder, täglich einen weiten Schulweg unter die Füsse nehmen zu müssen. Madeleine besuchte dann die Primar- und die Bezirkschule in Welschenroht.

Im Alter von 16 Jahren wurde sie Opfer eines tragischen Unfalls. Einige Jugendliche waren abends auf dem Heimweg von einem Kirchgang. Man beging im Dorf eine sogenannte Missionswoche. Lange Zeit verbrachte Madeleine im Spital, da ein Bein bös zugerichtet war. Alles heilte gut, aber in späteren Jahren bereiteten ihr die Beine doch wieder Schmerzen und Sorgen, wohl als Spätfolgen von ihrem Unfall.

Madeleine absolvierte im Anschluss an die Bezirkschule ein Haushaltlehrjahr daheim. Ich denke, ihre tüchtige Mutter, die Emma, war als ehemalige Arbeitslehrerin eine gute, strenge Lehrmeisterin. Den dazugehörigen Fachunterricht besuchte die Lehrtochter in Balsthal. Später besuchte Madeleine den Winterkurs im Wallierhof. Damit hat sie, wie zur damaligen Zeit üblich, die Berufsausbildung als Bäuerin abgeschlossen. Darum wird es heute niemanden verwundern, dass aus Madeleine eine so tüchtige und bewundernswerte Landfrau geworden ist.

Durch eine Schneiderin, welche in Metzerlen bei Kambers auf der Stör war, vernahm man, dass in Kestenholz – dorthin waren die Menths zwischenzeitlich gezogen – eine fleissige Bauerntocher daheim mithelfe. Kambers suchten eine gute, weibliche Arbeitskraft. Und so kam Madeleine aus dem Gäu nach Metzerlen, wo sie in Kambers Nachbarschaft ihrem zukünftigen Ehemann Eduard Renz begegnete. Im Jahr 1965 heirateten die Beiden. Drei Töchter wurden ihnen geschenkt: Barbara 1966, Regula 1968 und Christina 1971. Anfänglich führte die junge Familie einen Bauernbetrieb. Da dieser aber flächenmässig zu klein war und keine sichere Existenz für eine Familie bot, nahm Edi eine Arbeitsstelle als Santiärinstallateur an.

Nun setzte Madeleine alle ihre Tüchtigkeit und Kraft zum Wohle ihrer Lieben ein. Sei das in Haus und Hof, im Garten oder auf den Kirschbäumen. Ihr Fleiss und ihr geselliges Wesen fielen im Dorf und der Region natürlich bald einmal auf, man wurde aufmerksam auf sie und wählte sie zur Kassierin und Buchführerin des Fleckviehzuchtvervandes. Wer mag sich nicht erinnern, wie liebevoll sie den neugeborenen Kälbchen auf unseren Bauernhöfen die Ohrenmarken einsetzte. An Viehschauen nahm sie als kompetente Fachfrau mit Begeisterung teil. Während zehn Jahren führte sie den Landfrauenverein Leimental. Sie war ein Vorbild und wurde zur Ehrenpräsidentin gewählt. Unzählige Kuchen für unzählige Anlässe hat sie gebacken und verschenkt. Sie fühlte ihre Arbeitskraft noch nicht ausgeschöpft und meldete sich als Kioskverkäuferin in Flüh, dem Nadelöhr vom Leimental, sozusagen. Dort konnte sie Kontakt mit vielen Leuten pflegen. Ein junger Mann erinnert sich noch heute daran, dass er gelegentlich in ihrer Nähe Schutz suchte, wenn ihn die andern Schüler plagten.

Die Jahre vergingen. Die Töchter flogen aus: die eine ins Tal, wo einst Madeleine einen Teil ihrer Jugend verbracht hatte, die zweite nach Frankreich und die jüngste in die Nähe von Zürich.

Drei Grosskinder kamen, Pauline, Alexanne und später der Enno. Sie waren Madeleines ganzer Stolz uns sie hütete so oft es ging neben all der Arbeit in Haus und Garten.

Durch den Um- und Ausbau des grossen, alten Bauernhauses eröffnete sich den beiden ein neues Betätigungsfeld. Madeleine und Edi pflegten regen Kontakt mit ihren Mietern.

Madeleines Begabung für künstlerisches Gestalten kam wohl von ihrer Mutter. Man denke an die Blumenpracht an der Hausfassade oder den der Jahreszeit entprechend geschmückten Hauseingang. Hintem beim Küchenfenster stand ein kleiner Tisch mit ihrer Klöppelarbeit stets bereit – zu ihrer Entspannung – sate sie immer. Jede Weihnachtszeit stellte sie die wunderschöne, handgefertigte Krippe auf. Die Herde der wollenen Scahfe war jede Jahr ein wenig grösser. Unter ihren Händen gedieh jedes Zweiglein und jedes Sämlein. Sie war auch immer für Neues offen. So setzte sie sich gerne an den Computer auf dem schönen, alten Pult.

Heute nehmen wir Abschied von dieser tüchtigen, liebenswerten Frau. Es ist ein endgültiges Adieu. Es gibt keine Fragen mehr dazu: Warum, wieso, weshalb? Es ist einfach so. Wir wollen hoffen und beten, dass alle Betroffenen nach einer harten Trauerarbeit den Weg ohne sie und doch mit ihr in den Herzen finden werden.

Metzerlen, 6. Februar 2009 – Susi Erb – Danke Susi für die schönen Worte zum Abschied von Madeleine.